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Die Weihnachtszeit beginnt schon mit dem Advent. Es wird früher dunkel, draußen ist es kalt und nass. Es ist schön, eine Kerze aufzustellen und die Räume gemütlich zu gestalten. Wenn die Menschen so zusammen sitzen, kommt die Zeit für Geschichten. Es folgen fünf kurze Weihnachtsgeschichten, die bei Kerzenschein vorgelesen werden können. Noch ein warmes Getränk und ein paar Plätzchen, dann wird es ganz gemütlich. Es ist sicher für jeden eine passende Geschichte dabei.

Kurze Weihnachtsgeschichte fürs Herz

Weihnachten ist das Fest der Liebe.

Geschenke werden in den Familien verteilt, ein leckerer Braten aufgeschnitten und verzehrt. Herrmann lebte schon viele Jahre auf der Straße. An solche Weihnachtsfeste konnte er sich noch gut erinnern. Er hatte auch einmal eine Familie.

Der Alkohol hatte sie vertrieben, nein, er hatte ihn aus dem Haus getrieben. Vor vielen Jahren war er so auf der Straße gelandet. Die Einkaufsstraße, an der er zur Zeit seinen Platz hatte, war sehr belebt. Seinen Becher vor sich mit nur einigen kleinen Münzen gefüllt, wartete er auf mehr Geld.

Er hatte genug Zeit zum Nachdenken, als Obdachloser fand er keine Arbeit, auch wenn er schon lange keinen Alkohol mehr trank. Ohne Arbeit keine Wohnung, ohne Wohnung, keine Dusche. Er roch etwas streng, geduscht hatte er schon länger nicht mehr. „Wie es wohl seinem Sohn jetzt ging?“, dachte er, als ein kleiner Junge vor ihm stehen blieb und ihn neugierig und direkt ansah. „Warum sitzt Du da?“, wollte er wissen. „Lass den Mann!“, sagte eine Frau, wahrscheinlich seine Mutter. Hermann sah jetzt zu ihr hoch. Er versuchte zu lächeln. So etwas war ihm immer noch unangenehm. „Papa, guck mal, warum sitzt der Mann auf dem kalten Boden? Hat der kein Zuhause?“ Die helle Stimme des Kindes war laut und klar. Der Vater kam jetzt näher und Herrmann verschlug es die Sprache. Er war sich sicher, dass sein Sohn vor ihm stand. Dann wäre der kleine Junge sein Enkel.

Schnell sah er wieder auf den Boden. Doch der Vater kam nun auch näher und sah Herrmann genauer an. Er schien unsicher, so viele Jahre waren schon vergangen. Aber sein Sohn hatte Herrmann, trotz schmutziger Kleidung und ungepflegtem Äußeren, erkannt. „Vater?“ Es klang ungläubig. Er stand nun langsam auf und sah seinen Sohn an. „Wie geht es Dir?“ Herrmann sprach leise und die Angst, dass sein Sohn weggehen würde, war ihm deutlich anzuhören.

Sein Sohn kam näher und nahm ihn feste in die Arme. „Ich habe so lange versucht Dich zu finden Papa. Immer und immer wieder war ich beim Amt und habe nach Dir gesucht. Ich bin so froh, dass wir hier unseren Weihnachtsurlaub machen.“ Er nahm seinen kleinen Sohn zu sich und sagte: „Du hast gerade Deinen Opa gefunden.“ Zu seiner Frau und seinem Vater stellte er eine Frage: „Sollen wir Dich mitnehmen? In unserer Ferienwohnung ist noch ein zusätzliches Zimmer.“ Er sah seine Frau und seinen Vater gleichermaßen bittend an.

Als beide zustimmend nickten, gingen sie alle gemeinsam weiter. Es war für Herrmann das erste schöne Weihnachtsfest seit vielen, vielen Jahren.

Besinnliche Weihnachtsgeschichte fürs Herz

Ein besinnliches Weihnachtsfest!

Advent und Weihnachten ist eine Zeit, in der viel Musik läuft. In den Einkaufsstraßen und den Geschäften läuft die ganze Zeit Weihnachtsmusik. Doch Weihnachten ist auch ein besinnliches Fest und daher wollten wir uns dieses Jahr die nötige Ruhe schenken. Wir, das sind mein Mann und ich. Seit vielen Jahren leben wir schon glücklich zusammen. Doch vor Weihnachten steigt die Unruhe, denn irgendwas muss immer noch besorgt und gekauft werden.

Der 24.12. kommt immer plötzlich, etwas wurde wieder vergessen und muss noch schnell erledigt werden. Doch dann kam endlich ganz ungeplant ein wirklich ruhiges Fest.

Wie jedes Jahr wollten wir Fondue essen. Alles war endlich besorgt, die Geschenke schön verpackt. Die elektrischen Lichter brannten und auch in unserem Radio dudelte die Musik. Dann war plötzlich alles dunkel und still.

Wir liefen zum Fenster, sahen hinaus. Keine Straßenlampe brannte. Die ganze Welt war plötzlich still. Gerade zur Weihnachtszeit haben wir immer mehr Kerzen im Haus als sonst. Also haben wir die Kerzen angezündet. Eine große Kerze stellten wir auf den Tisch, daneben das vorbereitete Essen fürs Fondue. Wir mussten etwas Warten, bis das Stövchen die Brühe aufgeheizt hatte, dann fingen wir mit unserem Weihnachtsessen an, ganz ohne Beschallung aus dem Radio. In dieser Ruhe begannen in diesem Jahr viele gute Gespräche. Wir ließen uns viel Zeit zum Essen. Kein Fernseher wartete mit dem Programm.

Irgendwann ging dann plötzlich wieder das Licht an. Sämtliche elektronische Geräte summten und piepsten, weil sie wieder Strom hatten. Wir sahen uns an, schalteten das Licht wieder aus und genossen weiter die Stille des Weihnachtsabends.

Es war wirklich ein besinnlicher Weihnachtsabend.

Weihnachtsgeschichte fürs Herz für Kinder

Weihnachten ist aufregend

Die Wunschzettel hatte vor Wochen geschrieben und die Luft knistert vor Spannung. Würde ich wirklich alles bekommen, was ich mir gewünscht hatte?

Bei uns ist es Tradition, dass die Kinder, das heißt meine Geschwister und ich vor der Bescherung noch einmal Duschen gehen, warum auch immer. Na ja, wenn es den Eltern so wichtig ist, machen wir das halt. Als ich oben im Badezimmer war, hörte ich plötzlich ein merkwürdiges Geräusch. Irgendetwas zwitscherte im Haus. Meine Schwester hatte nichts gehört, aber ich wollte sofort nach unten ins Wohnzimmer laufen und nachsehen. Vielleicht hatte jemand ein Fenster irgendwo offengelassen und ein armer Spatz saß jetzt in einem Zimmer gefangen. Außer mir wollte keiner etwas gehört haben.

Wir zogen uns an und gingen endlich ins Wohnzimmer, wo die Bescherung stattfand.

Ja, da war ein Vogel, aber kein Spatz oder so. Ich hatte Wellensittiche bekommen. Die hatte ich mir nicht gewünscht, gefreut habe ich mich aber sehr.
Inzwischen können sie beide zwitschern wie Spatzen. Sie lernen quasi Fremdsprachen.