Übersicht: Kurz | Lustig | Für Kinder | Für Erwachsene | Für Senioren | Mit tieferem Sinn | Modern

Nachfolgend findest du ein paar schöne Weihnachtsgeschichten zum Besinnen und Nachdenken. Die Geschichten sind sowohl für Kinder als auch für Erwachsene und Senioren geeignet und erhalten verschiedene versteckte Weisheiten. Viel Spaß beim Lesen!

Kurze Weihnachtsgeschichten

Das Weihnachtskarussell

Das Leben als Schausteller hatte Paul und seine Frau Bärbel an Orte in ganz Deutschland geführt. Am meisten freute sich das Paar jedoch auf die Vorweihnachtszeit. Im Advent waren die Schausteller mit einem nostalgischen Karussell auf dem Weihnachtsmarkt in Bremen zu Gast. Dort hatte sich ihre Tochter Wiebke niedergelassen und eine Familie gegründet. Obwohl sich das Paar über jedes Kind freute, dass mit leuchtenden Augen eines der kleinen Pferde und Kutschen auswählte, waren es doch die eigenen Enkel, die Paul und Bärbel auch selbst ein Lachen auf das Gesicht zauberten. Schon als Kinder betätigten sich ihre drei Enkelkinder auch als Streitschlichter. Gab es Streit um den besten Platz auf dem Weihnachtskarussell, gelang es den Kindern untereinander deutlich schneller eine Lösung zu finden.

Als Jugendliche besserten sich die Enkel sogar ihr Taschengeld auf und verkauften Karten für eine Fahrt auf dem Karussell oder erledigten andere anfallende Arbeiten. Daher war es nur umso verständlicher, dass zahlreiche Tränen flossen, als sich die Großeltern dazu entschlossen das Leben als Schausteller aufzugeben und in den Ruhestand zu treten. Ihre Enkelin Lena machte diese Entscheidung so schwer zu schaffen, dass ganze fünf Jahre ins Land zogen bis diese wieder Lust auf einen Besuch des Weihnachtsmarktes hatte. Den Standort des Weihnachtskarussells gefüllt mit anderen Buden zu sehen führte bei Lena dazu einen Kloß im Hals zu spüren und den Tränen sehr nahezukommen.

Doch das Leben ging auch für Lena und ihre Geschwister seinen gewohnten Gang. Aus Kindern wurden Leute und aus dem Weihnachtskarussell eine sentimentale Erinnerung. Paul und Bärbel hatten sich ein wenig außerhalb von Bremen niedergelassen und dort einen kleinen Hof erworben. Dort lebten Katzen und die zwei Hunde des Paares ebenso wie vier Schafe, die als lebende Rasenmäher fungierten ebenso wie ein widerspenstiger Esel namens Albert. Dieser liebte es in einem unbeobachteten Moment für Chaos im Gemüsebeet zu sorgen oder der Küche einen Besuch abzustatten.

Hier hätte die Geschichte eigentlich ihr Ende nehmen können, wäre das Jahr 2020 anders verlaufen. Doch die weltweite Pandemie hatte vielen Kindern eine unbeschwerte Zeit auf dem Weihnachtsmarkt so gut wie unmöglich gemacht. Paul tat es in der Seele weh zu wissen, dass seine Urenkel den Advent in diesem Jahr ganz anders verbringen würden. Dieser Gedanke war die Initialzündung für ein Comeback des Weihnachtskarussells. Gesagt, getan und schon machte sich Paul an die Arbeit. Mehrere entfernte Staubschichten und einige Malerarbeiten später und schon erstrahlte das Weihnachtskarussell wieder im alten Glanz.

Mit dieser Überraschung gelang es Paul nicht nur seine Urenkel, sondern gleich mehrere Generationen seiner Familie in Staunen zu versetzen. Die Kinder drehten in dieser Vorweihnachtszeit unzählige Runden auf dem Karussell und fanden ein kleines Stück Normalität wieder. So gelang es dem Weihnachtskarussell erneut den Zauber von Weihnachten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Lustige Weihnachtsgeschichten

Scherben an Heiligabend

Einige Traditionen rund um den Heiligabend entstehen eher aus Zufall heraus. Genau diesem Zufall war es zu verdanken, dass in der Familie May Scherben als Symbol einer schönen Weihnachtszeit gelten. Den Anfang machte das Jahr 1982. Am Morgen des Heiligabends ertönte ein Gepolter und die 14-jährige Manuela May entdeckte einen herabgestürzten Hängeschrank in der Küche. Dies kostete Manuelas Mutter nicht nur 12 Gläser und 2 Suppenterrinen, sondern auch die ein oder andere Träne über diesen Anblick in der Küche. Schon damals tröstete Manuela ihre Mutter mit den Worten, dass Scherben ja eigentlich Glück bringen sollen. Dieses Omen sollte sich bewahrheiten und dieses Ereignis das einzig negative Erlebnis in der Weihnachtszeit sein.

Während der verbleibenden 80er Jahre spielte sich im Hause May eine feste Routine ein. In Jahren, in denen vom ersten Advent bis zum Heiligabend Scherben zu verzeichnen waren, erlebte die Familie ein harmonisches Fest. Blieben die Scherben aus, häuften sich oftmals kleine und größere Missgeschicke an. Dazu gehörte der Ofen, der plötzlich den Geist aufgab oder der Armbruch von Vater May, der vor der Bescherung nur noch schnell den Mülleimer leeren wollte und hierbei vor dem Haus ausrutschte. Scherben waren somit in der Familie May durchaus mit einem kleinen Lächeln verbunden. Das galt für jedes Mitglied der Familie bis auf die Elisabeth May. Die Mutter der Familie kämpfte jedes Jahr aufs Neue einen Kampf gegen Windmühlen, um Geschirr, Vasen oder auf die geliebten Kristallfiguren vor Schaden zu schützen.

In den folgenden Jahren rangierten die auftauchenden Scherben von komisch bis kurios. So konnte es in einem Jahr der Nachbar der May es schon am vierten Advent kaum erwarten die neuen Golfschläger endlich auszuprobieren. Das Ergebnis war eine zerschlagene Fensterscheibe im Wohnzimmer und auch der Fernseher konnte der Wucht des Golfballs nicht standhalten. Vater May bezeichnete dies als klassisches Hole in One als dieser einen kurzen Bericht für die Versicherung der Haftpflichtversicherung des Nachbarn schrieb. Mit Hausarrest endete dagegen der Versuch von Tommy May, Manuela jüngerem Bruder die Katze mithilfe eines Knallfrosches aus dem Weihnachtsbaum zu vertreiben. In Panik flüchtend fiel der Baum zu Boden und viele der Christbaumkugeln als Glas bestanden nur noch aus Einzelteilen.

In diesem Jahr warteten Eltern, Kinder, und die inzwischen ebenfalls zur Familie zählenden Schwiegersöhne, Töchter und Enkelkinder entsprechend mit Spannung auf das diesjährige Scherbenmeer. Zum ersten Mal wollte auch Elisabeth May mit dieser Tradition nicht brechen, da nach einigen Jahren endlich mal wieder alle Kinder und Enkel unterm Weihnachtsbaum vereint sein würden. Am Mittag des Heiligabends nahm die Hoffnung langsam ab und alle bereiteten sich innerlich auf die ein oder andere Katastrophe vor. Nach Kaffee und Kuchen nahm Elisabeth May die Tradition schließlich selbst in die Hand. Mit einem kräftigen Ruck an der Tischdecke sowie unter den ungläubigen Augen der Familie fand sich etwa ein Drittel der Tassen und Teller als Scherben auf dem Boden wieder. Mit Schippe und Kehrblech in der Hand verkündete die Mutter und Oma dieses Service sowie nie gemocht zu haben. Die Tradition im Hause May konnte somit auch in diesem Jahr fortleben.

Weihnachtsgeschichten für Kinder

Das Treffen der Weihnachtsmänner

In einer Nacht die Kinder auf der ganzen Welt zu beschenken ist ein Fakt über den Weihnachtsmann, der auch für kleine Kinder nur sehr schwer zu verstehen ist. Während die Erwachsenen oftmals die Magie des Weihnachtsmannes als Erklärungsversuch benutzen, ist die Wahrheit schlicht eine andere. Für fast jedes Land der Erde ist ein anderer Weihnachtsmann im Einsatz. In den Niederlanden übernimmt Sinterklaas diese Rolle, während der amerikanische Santa Claus gleich für ganz Nordamerika zuständig ist. In Russland ist der Weihnachtsmann dagegen als Väterchen Frost oder in Skandinavien als Jolnir bekannt. Vor jedem Weihnachtsfest findet ein Treffen aller Weihnachtsmänner statt. In diesem Jahr treffen sich die Weihnachtsmänner zum Beispiel im finnischen Lappland, um dort ungestört alle Einzelheiten der Weihnachtsnacht zu besprechen.

Während dieser Treffen legen die Weihnachtsmänner die besten Routen fest, um schnell von Haus zu Haus zu reisen und hierbei keinen Flugzeugen in den Weg zu kommen. Mitunter helfen sich einige Weihnachtsmänner auch gegenseitig aus, um sicherzustellen, dass kein Kind auf ein Geschenk unter dem Weihnachtsbaum verzichten muss. Hierbei entbrennt jedes Jahr aufs Neue ein Streit darum, welche Tiere sich am besten zum Ziehen des Schlittens eignen. Während die traditionellen Weihnachtsmänner auch weiterhin auf Rentiere setzen, zeigen sich andere durchaus aufgeschlossen für Veränderungen. Speziell der italienische Weihnachtsmann Babbo Natale ist bekannt dafür anderen Tieren eine Chance zu geben. Während dieser Weihnachtsmann selbst zugibt, dass Faultiere eher keine gute Wahl waren, verteidigt dieser bis heute seine sechs Nilpferde, welche seit einigen Jahren seinen Schlitten ziehen. Diese Diskussionen ziehen sich oft bis spät in die Nacht und enden oftmals mit einem Lachen von allen Beteiligten.

Natürlich dürfen auch die neuesten Trends für Spielzeuge bei diesen Treffen nicht fehlen. Jeder Weihnachtsmann bringt zu den Treffen die Top 3 der diesjährigen Spielzeuge mit sich. Diese Spielzeuge werden nicht nur vorgestellt, sondern auch gleich ausprobiert. Hierbei haben die Weihnachtsmänner, deren Alter oft deutlich über 100 Jahre liegt sichtlich Spaß daran. Hier werden die neuesten Brettspiele ebenso getestet als auch ferngesteuerte Autos. Zu guter Letzt besprechen die Weihnachtsmänner auch die Urlaubsziele, die nach der anstrengenden Weihnachtszeit geplant sind. Nicht selten statten sich die Weihnachtsmänner auch gegenseitig einen Besuch ab, um zu sehen, welche Überraschungen deren Werkstätten bereithalten. Obwohl dieses Geheimnis nun gelüftet ist, arbeiten die Weihnachtsmänner auch weiterhin an einem Strang, um diesen Tag für Mädchen und Jungen auf der ganzen Welt einfach unvergesslich zu machen.

Weihnachtsgeschichten für Erwachsene

Der Christbaum mit zwei Spitzen

Streit gehört nicht zum Wortschatz von Anna und Oliver. Allenfalls die ein oder andere leidenschaftliche Diskussion gehörte zum Beziehungsleben des Paares. Spaghetti oder Maccheroni oder die Entscheidung für das nächste Urlaubsziel waren Themen bei denen längere Gespräche nötig waren, um eine Einigung zu erzielen. Doch kein Thema wurde von den beiden jemals mit so viel Leidenschaft diskutiert als die Auswahl der Christbaumspitze. Für Anna musste die Spitze mit einem Engel geschmückt sein, während Oliver einen selbstgebastelten Strohstern bevorzugte. In der Vorweihnachtszeit rauchten bei dem Paar regelmäßig die Köpfe in dem Versuch eine Einigung zu erzielen. Obwohl sich beide bewusst waren, wie absurd diese Diskussion eigentlich war, wurde es dennoch von Jahr zu Jahr schwieriger die Basis für einen Kompromiss zu finden.

In diesem Jahr feierten Anna und Oliver das erste Fest im ersten eigenen Zuhause. Die beiden hatten in den vergangenen Monaten jede freie Minute dazu genutzt das kleine Häuschen zu renovieren und modernisieren. Um das leidige Thema Christbaumspitze in diesem Jahr nicht erneut hochkochen zu lassen, hatte das Paar beschlossen auf einen Baum zu verzichten und diese Diskussion auf das nächste Jahr zu verschieben. Mit anderen Traditionen rund um das Weihnachtsfest wurde dagegen nicht gebrochen. Das Wohnzimmer und der Vorgarten wurden weihnachtlich geschmückt und auch die Weihnachtsbäckerei legte die ein oder andere Überstunde ein. Auf diese Weise schien der Advent förmlich zu verfliegen und schon leuchteten vier Kerzen auf dem Adventskranz auf.

Am 21. Dezember fiel Anna auf, dass in diesem Jahr noch keine Zeit für einen Besuch des Weihnachtsmarktes vorhanden war. Eine SMS später und schon war ein Treffen mit Oliver nach Feierabend vereinbart. Gemeinsam schlenderten die beiden Hand in Hand über den Weihnachtsmarkt in ihrer Stadt, tranken Glühwein, kauften sich geröstete Kastanien und blickten auf die Inhalte der vielen kleinen Buden mit Kunsthandwerk. Am Ende des Marktes trafen die beiden auf einen Verkaufsplatz für Weihnachtsbäume. Fest davon überzeugt am geplanten Vorhaben festzuhalten, erlaubten sich beide nur einen ganz kurzen Blick auf die zugeben schon sehr stark eingeschränkte Auswahl an Bäumen.

Fast zeitgleich trafen ihre Augen auf eher unscheinbar und leicht schief wirkenden Baum in einer der Ecken der Verkaufsfläche. Beide sahen sich an und begangen sofort zu lachen. Der betrachtete Baum hatte nicht eine, sondern gleich zwei Spitzen. Was blieb Anna und Oliver also anderes übrig als diesen Baum mit nach Hause zu nehmen. Zuhause angekommen verging nicht viel Zeit und schon thronte auf einer Spitze des Baumes ein Strohstern und auf der anderen Spitze ein Engel mit weißem Kleid und goldenen Haaren. Zusammen waren beide Dekorationen der gelungene Auftakt zu einem unvergesslichen Weihnachtsfest im neuen Zuhause.

Weihnachtsgeschichten für Senioren

Das Weihnachtsgeschenk

Wer glaubt, dass der Herbst des Lebens nicht mehr als ein Zimmer im Altersheim bereithält, kennt Birgit, Rita und Monika noch nicht. Die drei Frauen waren bereits seit der Schulzeit befreundet und entschlossen sich dazu sich auch im Alter nicht voneinander zu trennen. Während Rita ein Leben als Single bevorzugte, stand für Birgit und Monika erst nach dem Tod der Ehemänner ein Neuanfang auf dem Plan. Zusammen gründeten die drei Frauen eine Wohngemeinschaft und kauften sich hierfür gemeinsam einen barrierefreien Bungalow. Dort waren natürlich auch die Kinder und Enkel der Frauen immer willkommen. Speziell um die Weihnachtszeit waren die drei Freundinnen als Babysitter sehr beliebt, um Geschenke einzukaufen und das Fest in Ruhe vorbereiten zu können. In dieser Zeit halfen die Großmütter ihren Enkeln unter anderem dabei einen Wunschzettel an den Weihnachtsmann zu schenken. Als Gegenleistung durften sich die Omas in jedem Jahr zuerst ein Spielzeug von den Wunschlisten auswählen.

In diesem Jahr stand ein Roboter in der Form eines Dinosauriers auf der Wunschliste eines der Kinder ganz weit oben. Wie nicht anders zu erwarten handelte es sich hierbei um eines der beliebtesten Spielzeuge des Jahres. Das machte es schwierig dieses Spielzeug rechtzeitig im Handel zu finden. Monika und Rita schlossen sich der Suche an, um die Augen von Birgits Enkel pünktlich zum Heiligabend zum Strahlen zu bringen. Nach langer Recherche gab es genau ein Geschäft in der Stadt, welches kurz vor Heiligabend noch eine Lieferung der Dinos erwartete. Hier hörte Birgits Glück jedoch schon auf, da keine Reservierungen möglich waren. Die Vorstellung mit dutzenden anderen Eltern und Großeltern um das Spielzeug zu kämpfen klang nicht sehr vielversprechend.

Zu dritt machten sich die Frauen auf dem Weg. Vor dem Geschäft standen bereits 50 oder mehr Personen, die so wie es aussah, alle den gleichen Kauf im Auge hatten. In fünf Minuten öffneten die Türen und Birgit sah ihre Chancen sinken das beliebte Spielzeug zu ergattern. Doch Rita war ebenfalls nicht untätig und hatte einen Plan gefasst. Zwei Minuten vor dem Öffnen der Türen flüsterte diese Birgit ins Ohr sich weiter nach vorne zu stellen. Der Blick in Ritas Augen war Birgit nur allzu gut bekannt. Als sich der Mitarbeiter der Tür näherte, täuschte Rita eine Ohnmacht vor. Plötzlich richteten sich alle Blicke nach hinten und Birgit nutzte die Gelegenheit fast unbemerkt den Laden zu betreten. Sie schnappte sich einen der Dinosaurier, bezahlte und fand vor der Ladentür Rita mit einem Glas Wasser in der Hand sitzend vor. Monika spielt ihre Rolle ebenfalls perfekt und machte der Freundin Vorwürfe am Morgen nicht gefrühstückt zu haben. Nach einiger Zeit besserte sich ihr Befinden und die drei Freundinnen machten sich auf den Weg nach Hause. Wie es der Oma gelungen ist dieses Geschenk für ihren Enkel zu kaufen, wurde von Birgit jedoch der neugierigen Familie nicht verraten.

Weihnachtsgeschichten zum Nachdenken mit tieferem Sinn

Weihnachten mit vertauschten Rollen

Wenn das Leben fair wäre, würde es Gummibärchen regnen. Das war das erste Motto, welches für Lotta in ihrem noch jungen Leben wichtig war. Mit ihren zehn Jahren war dem Mädchen schon bewusst, dass das Glück nicht jedem Menschen gleich holt war. Ihr Vater hatte vor über einem Jahr seine Arbeit verloren und konnte bisher noch keinen neuen Job finden. Das hatte nicht nur an den finanziellen Reserven der Familie gezehrt. Lottas Mutter, die als Altenpflegerin tätig war, versuchte mehr Schichten zu arbeiten, um die Haushaltskasse aufzubessern. Dennoch war der Kühlschrank oft schon lange vor dem Ende des Monats leer. Lotta hatte gelernt im Supermarkt nach Sonderangeboten Ausschau zu halten oder Kleidung extra eine Nummer größer auszuwählen, um diese länger tragen zu können.

In den letzten drei Monaten schien die Familie vom Pech regelrecht verfolgt zu sein. Erst benötigte das Auto eine teure Reparatur und dann gingen in schöner Regelmäßigkeit Haushaltsgeräte kaputt. Lotta wusste, dass jeder Neukauf Geld kostete und dass das Weihnachtsfest daher in diesem Jahr im ganz kleinen Rahmen stattfinden würde. Auf der Liste an den Weihnachtsmann schrieb Lotta daher Spielzeuge auf, die nur wenig Geld kosteten oder die ihre Mutter selbst nähen konnte. In der gleichen Zeit wurde eine Nachbarin sehr krank und war auf Hilfe beim Einkaufen und der Hausarbeit angewiesen. Lotta mochte Frau Meyer und leistete ihr nach der Schule gerne Gesellschaft. Zudem hatte das Mädchen keine Probleme damit sich im Haushalt nützlich zu machen.

Kurz vor Weihnachten war Frau Meyer für Weihnachtseinkäufe in der Stadt unterwegs. Um sich für die Hilfe der letzten Monate zu bedanken, wollte Frau Meyer auch Lotta ein Spielzeug als Geschenk kaufen. Diese überlegte kurz und hatte eine bessere Idee. Diese Idee führte Lotta in eine Buchhandlung sowie ein Stoffgeschäft. Was es mit diesen Einkäufen auf sich hatte, wurde jedoch erst zur Bescherung am 24. Dezember deutlich. Dort fanden sich plötzlich unter dem Weihnachtsbaum nicht nur zwei Geschenke, die den Namen Lotta trugen. Dazu gesellten sich ebenfalls ein Päckchen mit dem Namen Mama und eines welches an Papa adressiert war. Zuerst öffnete die Mutter ganz erstaunt das Päckchen. Darin befand sich ein Stoff in ihrer Lieblingsfarbe Türkis. Lotta sagte, damit kannst Du Dir endlich ein neues Kleid nähen. Als Nächstes öffnete der Vater das Päckchen. Darin befand sich ein Reiseführer für die Toskana. Lotta wusste, dass sich ihr Vater schon immer gewünscht hatte diesen Teil Italiens zu besuchen. Lotta sah ihren Vater an uns sagte: Vielleicht noch nicht jetzt, aber bald! Diese Worte sorgten für Tränen, aber auch Hoffnung an diesem Weihnachtsfest mit vertauschten Rollen.

Moderne Weihnachtsgeschichten

Selfie unterm Weihnachtsbaum

Sarah konnte sich inzwischen kaum noch vorstellen eines ihrer zwei Kinder, ohne ein Handy in der unmittelbaren Nähe vorzufinden. Während ihr Sohn das Handy bevorzugt zum Spielen nutzte, war ihre Tochter teilweise bis zu einer Stunde damit beschäftigt sich in Pose zu werfen und den perfekten Filter für ein Bild zu finden. Sarah stimmte diese Entwicklung sehr nachdenklich. Ihren Kindern gelang es kaum mehr ein Gespräch zu führen und dem Gesprächspartner hierbei in die Augen zu blicken. Schon oft hatte die Mutter damit gedroht den Kindern das Mobiltelefon wegzunehmen, wenn diese nicht mehr Zeit in der realen als der virtuellen Welt verbringen würden. Umgesetzt wurde diese Drohung dennoch nicht, da auch Sarah inzwischen viel zu sehr daran gewöhnt war ihren Nachwuchs immer und überall erreichen zu können.

Obwohl die Kinder schon lange nicht mehr an den Weihnachtsmann glaubten, war es Sarah dennoch wichtig an Weihnachten die traditionellen Bräuche weiterhin zu leben. Dazu gehörte das Schmücken des Baumes ebenso wie das Backen von Keksen für den Weihnachtsmann. In den letzten Jahren hatten die Kinder hierbei häufig nur teilgenommen, um Ihrer Mutter eine Freude zu machen. Sarah genoss diese Momente dennoch in vollen Zügen und wünschte sich insgeheim ihr ganz eigenes kleines Weihnachtswunder. Zum ersten Mal seit der eigenen Kindheit machte sich Sarah an die Arbeit und schrieb einen Wunschzettel an den Weihnachtsmann. Darin wünschte sich die Mutter zu Weihnachten den Bann des Handys brechen zu können.

In den letzten Tagen vor Weihnachten hatte Sarah diesen Wunsch schon längst wieder vergessen. Pünktlich vor der Bescherung standen Kekse und Milch für den Weihnachtsmann bereit und die Geschenke fanden langsam ihren Weg aus den vorhandenen Verstecken unter den Baum. Die Kinder öffneten die Geschenke, freuten sich und das Handy war tatsächlich für einen Moment lang abgemeldet. Bis auf eine kleine Fotosession der Familie mit dem Weihnachtsbaum im Hintergrund interessierten sich die Kinder weder für Nachrichten der Freunde noch den aktuellen Akkustand. Sarah war glücklich und genoss dieses Weihnachtsfest in vollen Zügen.

Am nächsten Tag wollte Sarahs Tochter einige der Fotos vom Weihnachtsfest in den sozialen Medien posten. Plötzlich waren auf den Fotos jedoch nicht nur drei Personen, sondern vier zu erkennen. Neben ihrer Mutter, ihrem Bruder und ihr selbst war eindeutig der Weihnachtsmann mit einem zwinkernden Auge zu erkennen. Das Mädchen zeigte die Fotos sofort ihrer Mutter. Diese war zunächst verblüfft, zweifelte jedoch nicht im geringsten daran auch im nächsten Jahr wieder einen Wunschzettel zu schreiben.